Ein Jahr? Ein Jahr!

Kann es wirklich sein, dass wir seit einem Jahr in Deutschland leben? War das nicht erst gestern, als ich mit Hund und dickem, schwarzen Kater ins Flugzeug gestiegen bin? Nein, es ist wirklich ein Jahr her – ein Blick auf das alte Flugticket und den dicken Stapel Papier, den es braucht, um einen Hund und eine Katze aus Dubai in die EU zu importieren, bestätigen, was der Blick auf den Kalender mich zuvor nur vermuten ließ – fast genau auf den Tag vor einem Jahr sind wir in Berlin gelandet.

Viel ist in diesem Jahr passiert, so viel, dass ich darüber doch tatsächlich vergaß, verdrängte und verschob, was ich so alles auf diesem Blog eigentlich hatte berichten wollen über die letzten Wochen in Dubai und die ersten in Berlin. Vielleicht gelingt das in der Zukunft wieder besser, vielleicht auch nicht, aber heute ist heute und gerade heute war die Erinnerung an den „Heimflug“ mit acht Pfoten so präsent, dass ich diese Erinnerung hier und jetzt aufschreibe. Weiterlesen

Schatz, wo bist du?

Als Frau hat man es in Saudi-Arabien bekanntlich nicht leicht – man darf kein Auto fahren und in der Öffentlichkeit darf man sich nur komplett verhüllt zeigen. Im Restaurant wird peinlichst genau darauf geachtet, dass „Frau“ nicht in Kontakt mit einem Mann kommt, der nicht ihr Ehemann ist usw.

Dazu fällt einem nicht viel ein, außer vielleicht schlimmer geht’s nimmer. Aber genau da liegt man falsch, es geht noch schlimmer. Weiterlesen

Ich schau dir in die Augen, Kleines

Die Passkontrolle am Flughafen in Dubai kann dauern. Lange. Dabei gibt es unzählige Schalter: für Einheimische, für Flugbegleiter, für Diplomaten, für Reisende der gehobenen Klasse und für Normalsterbliche. Trotzdem, immer Stau. Böse Zungen behaupten, dies läge daran, dass sagenhafte 30 Prozent der Kontrolleure Emiratis sind.

Neuerdings geht es noch langsamer voran. Der Grund: Iris-Scans. Die Passbeamten scannen neben Pässen auch die Augen der Reisenden ein – das dauert. Ich aber hatte diesmal Glück, meine Schlange wand sich zügig durch die überfüllte Halle. Mein freundlicher Pass-Kontrolleur erklärte mir auf Nachfrage strahlend: Ich schaue den Leuten heute mal nur in die Augen.

Ich komm doch nicht mit…

Reisende soll man nicht aufhalten, lautet ein schönes Sprichwort. Doch was, wenn die Reisenden sich selber aufhalten? Wie im Fall eines 11-jährigen Schuljungen aus England, der seit einem Monat in Dubai festsitzt, weil er sich strikt weigert, in ein Flugzeug zu steigen.

Joe Thompson hat mit seinen Eltern einige Jahre in Al Ain, einem der sieben Emirate, gelebt. Ausgerechnet als er sich mit seiner Familie auf die endgültige Rückkehr in die Heimat England machte, überkam den Jungen eine derartige Flugangst, dass er es nicht an Bord des Flugzeuges schaffte.

Die Familie blieb erst mal in Dubai, da dem Jungen der Flug nicht zuzumuten war. Doch guter Rat war teuer. Irgendwie musste man zurück nach England kommen. Nur wie? Die Mutter von Joe und seine Schwester flogen schon mal vor, während er mit seinem Vater Tony in Dubai blieb. Da Joe – der seit er ein Baby war, regelmäßig geflogen ist – nicht zu bewegen war, auch nur in die Nähe eines Flugzeuges zu gehen, begann der Vater nach Alternativen zu suchen.

Der Landweg bot sich an, doch der führt leider durch Saudi-Arabien. Ein Land, für das ein Visum, das nicht geschäftlicher Natur ist, ungefähr so schwer zu bekommen ist, wie ein Sechser im Lotto. Hier war kein Durchkommen. Nachdem Joes’ Geschichte von den Medien aufgegriffen wurde, wendete sich das Blatt. Nicht nur zeigten die saudischen Behörden ein Einsehen und genehmigten die Visa für Vater und Sohn, nein auch Volkswagen witterte gute Werbung und will den beiden Auto samt Fahrer spendieren. Immerhin ist der Landweg von Dubai quer durch Saudi-Arabien zur Hafenstadt Jeddah (Dschidda) 5600 Kilometer lang.

„Joe freut sich auf die Reise seines Lebens,“ erklärte Mutter Pauline nun einer Zeitung in Dubai. Die Sache mit der plötzlichen Flugangst werde man nach seiner Ankunft in England aber dennoch psychologisch untersuchen lassen.

Eine nette Geschichte, allerdings habe ich jetzt ein bisschen Angst vor nächster Woche Freitag, wenn ich mit den Kindern wieder nach Dubai fliege. Am Ende kriegen die auch Flugangst und ich strande mit ihnen im Sauerland. Irgendwie ein etwas weniger glamourös als Dubai. Vielleicht geh ich besser schon mal beim Autohändler ein paar Orte weiter vorbei und bereite ihn aufs Schlimmste vor.

Wenn einer eine Reise tut…

…dann können die Leute am Flughafen etwas erleben. Zum Beispiel die Zöllner an der Handgepäckkontrolle am Flughafen von Sharjah, einem der sieben Emirate. Die müssen sich die Augen mehr als einmal gerieben haben bei dem Bild, das da vor ihnen auf dem Bildschirm auftauchte. Die Röntgenmaschine am Ausgang des Flughafens zeigte doch tatsächlich die Umrisse eines Babys.

Ein Mann und eine Frau aus Ägypten wurden sofort festgenommen, nachdem die Zöllner die wertvolle Fracht, die die beiden in ihrem Handgepäck versteckt hatten, entdeckten. Gegen beide wurde Anklage erhoben. Was mit dem einjährigen Jungen geschah ist unklar. Klar dagegen ist, dass er keinerlei Papiere hatte. Weder einen ägyptischen Pass noch ein Visum für die UAE. Da anzunehmen ist, dass er auch kein Flugticket hatte, fragt man sich, wo war der arme, kleine Kerl während der Reise? Und wie haben die Eltern ihn überhaupt ins Flugzeug gekriegt? Laut Zeitungsbericht hatten beide Eltern Pässe und gültige Visa für die Emirate, warum sie ihren Sohn ohne Dokumente in der Handtasche schmuggeln wollten, ist bislang ihr Geheimnis.