Im wilden Osten

Es gibt Momente im Leben, da fühlt man sich unbesiegbar (z.B. wenn das Kind nach der dritten Behandlung mit dem vierten Mittelchen endlich Läuse-frei ist), es gibt Momente, da fühlt man sich frei (z.B. wenn man mit dem Hund am frühen Samstagmorgen durch den Wald läuft und das Wochenende noch unendlich zu sein scheint), es gibt Momente, da fühlt man sich jung (z.B. wenn man das gleiche Lied wie die vorpubertierende Tochter im Radio mitsummt, obwohl man nach Einschätzung eben jener Tochter die Dinosaurier in der eigenen Kindheit noch live gesehen hat) und es gibt Momente, da fühlt man sich irgendwie alt. Sehr alt.  Weiterlesen

Verkaufsgenie!

Um es gleich vorweg zu sagen – ein Verkaufsgenie bin ich nicht, aber das Internet.  Und so begab es sich, dass ich bevor ich Dubai für immer verlassen habe, auch sehr große Teile meines früheren Lebens dort gelassen habe. Der standhafte Leser erinnert sich (alle anderen können es hier nachlesen), dass eines Tages nach acht wunderbaren Jahren der Tag gekommen war, an dem ich die Augen nicht länger vor dem verschließen konnte, was die Sterne für mich vorgesehen hatten: Es war Zeit, nach Deutschland zurückzukehren.

Eine der ersten Fragen, die nach dem Entschluss aufkamen, war schlicht: Was nehme ich mit? Ein Ticket sicher hatten die Kinder und der Hund. Hinter dem dicken, schwarzen Kater stand ein großes Fragezeichen (Sonderbericht folgt), unser wunderschönes Haus konnte leider nicht mit (Sonderbericht über den Verkauf folgt) – aber was war mit dem Rest? Möbel, über die Jahre angesammelte Dekoration, Küchenkram, Bücher, Spielzeug? Weiterlesen

Mein Freund, der Hund

Seit einigen Wochen gehen bei mir im Haus die Handwerker ein und aus. Und selbstverständlich sind auch die Handwerker in Dubai anders als anders wo. Die Herren, die allesamt aus Indien stammen, erscheinen bevorzugt im Rudel (sprich mindestens zu fünft), stehen gerne rum und überprüfen durch intensives Starren den Zustand der Luft im Haus. Natürlich arbeiten sie auch – wenn sie wirklich gar nichts anderes zu tun finden, vermessen sie die Wände fünf Mal nacheinander, um nach fünf verschiedenen Ergebnissen einen Schätzwert zu nehmen.

All dies geschieht allerdings erst seitdem sie die Angst vor der furchteinflößenden Höllenbestie, die bei mir im Haus wohnt, verloren haben. Diese Bestie sieht so aus: Weiterlesen

Camping-Abenteuer – Teil 2 (mit Beweisfotos!)

Am Wüsten-Lagerfeuer sitzen, Marshmallows rösten, die unendliche Stille geniessen – einfach herrlich. Theoretisch. Praktisch muss man alle drei Minuten mit dem Stuhl umziehen, weil es zu heiß nahe am Feuer ist, wenn neues Holz nachgelegt wird und zu kalt, wenn man zu weit wegsitzt, wenn das Holz abgebrannt ist. Außerdem müssen die vier Familienpackungen („Ach, du hast auch Marshmallows mit?)  mit großem Enthusiasmus von den Kindern gerösteten, klebrig-schmierigen Zuckerbomben alle irgendwie gegessen werden – „Essen darf man nicht wegschmeißen, Mama, sagst du doch immer!“.

Mit der Stille ist es auch nicht weit her, da die Kinder viel Spaß dabei haben, alle paar Minuten laut brüllen „Wir sind Touristen und überfallen euch“ hinter irgendeiner Düne aufzutauchen und meinen ihre Eltern erschrecken zu können. Wir klären sie lieber nicht über die Sache mit den „Touristen“ auf. Auch der Gang aufs „stille Örtchen“ ist nicht wirklich still, da ich so dezent „verschwinde“, dass eine der Freundinnen mein Fehlen nicht bemerkt und die Männer auffordert, die komische Gestalt, die da in den Dünen rumläuft, mit der Taschenauflampe aufzuspüren. Weiterlesen

Happy Halloween!!!

Der schwarze Kater sitzt gefesselt und geknebelt im Vorgarten, der Hund kahlrasiert neben ihm – wir sind bereit für Halloween. Das Gruselkabinett des Grauens wird vollendet von der älteren Tochter, die seit gestern in der wohl unvermeidlichen „Ich kann jetzt Witze erzählen“-Phase ist. Ich weiß nicht, was schlimmer ist, die Witze oder die jüngere Tochter, die nicht aufhören kann darüber zu lachen und jeden Witz mindestens 20 Mal hören will. Es erstaunt mich allerdings schon, dass Fritzchen und seine Oma immer noch aktuell sind. Ob es auch noch Häschen-Witze gibt?

Ich glaub, ich geh erst mal einen Kaffee trinken…
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Gute Frage, nächste Frage

Meine Töchter lieben sich. Oder hassen sich. Kommt ganz drauf an. Entsprechend entspann sich heute folgender Dialog bei uns:

Jüngere Tochter: Mama, was war das erste Wort, das ich zu dir gesagt habe?

Ich: Mama.

Jüngere Tochter: Mama, was war das erste Wort, das ich zu unserem Hund gesagt habe?

Ich: „Hallo, Jesse“, denn der Hund ist nach dir hier eingezogen.

Jüngere Tochter: Mama, was war das erste Wort, das ich zu Edgar gesagt habe?

Ich: „Hallo Edgar“, denn auch der dicke, schwarze Kater ist nach dir bei uns eingezogen.

Jüngere Tochter: Mama, was war das erste Wort, das ich zu meiner Schwester gesagt habe?

Ich: Keine Ahnung.

Ältere Tochter/Schwester: Hau ab.

Überlege immer noch, ob das „Hau ab“ eine Aufforderung war oder tatsächlich die ersten Worte, die die große Schwester von ihrer Schwester in Erinnerung hat.

Und plötzlich ist man ganz allein…

So als Mutter ist man ja einiges, aber nie allein. Nicht mal auf dem stillen Örtchen. Zumindest ich nicht. Ich habe nachgezählt, zu Hochzeiten waren wir zu Fünft, wenn ich mal musste: Kind 1, Kind 2, Katze, Hund und ich.

Mag sein, dass andere Mütter es geschafft haben, das stille Örtchen nicht zu einer Art Dorfdisko werden zu lassen, ich habs nicht hingekriegt. Es fing an, als die erste Tochter lernte sich rumzukugeln, plötzlich schien es gefährlich, sie allein irgendwo liegen zu lassen, wenn es pressierte. Also nahm ich sie mit. Als sie krabbeln konnte, krabbelte sie mir entweder von allein hinterher, oder ich nahm sie mit, damit sie nicht wegkrabbelte. Dann kam Tochter Zwei und eins zum anderem. Die begann irgendwann auch zu kugeln und für Tochter Eins war es zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich, dass man als Frau Örtlichkeiten nicht allein aufsucht. Weiterlesen

Schuh-bi-du…

Der Hund hat sich heute Morgen geweigert, mit mir spazieren zu gehen.

„Zu anstrengend bei 45 Grad“, teilte sie mir durch einen Blick aus großen, braunen Hundeaugen mit. Dann ein anklagender Blick von ihren Pfötchen zum Asphalt und zurück. Sollte wohl heißen, die Straße brennt unter den Füßen.

Na, dem Hund kann geholfen werden:

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Mal sehen, was sie heute Abend beim Spaziergang für eine Ausrede findet!

Der, der alles sieht und alles weiß

Kinder haben Angst – vor allen möglichen und am liebsten vor unmöglichen Sachen. Die ältere Tochter fürchtete sich jahrelang, allein ins obere Stockwerk zu gehen, da dort wohlmöglich eine Hexe ihr Unwesen treiben könnte. Der dicke, schwarze Kater, der gutmütige, braune Hund oder auch gern die damals kaum des Laufens fähige kleine Schwester machten unzählige Trips treppauf und treppab, um in Sachen Hexe beizustehen.

Ausgerechnet diese ältere Tochter brachte nun unlängst „Bloody Mary“ von einer Freundin mit zu uns nach Haus. Nein, wir sprechen hier nicht vom Getränk nach dem Getränk, sondern einer mystischen Figur, die angeblich mit verschiedensten Ritualen angerufen werden kann, um die Zukunft vorherzusagen. Weiterlesen