Der olympische Gedanke…

Vor einigen Tagen berichtete der Radiosender meines Vertrauens, dass es eine Gruppe von Menschen mit offensichtlich viel zu viel Tagesfreizeit gibt: Diese Gruppe hat es sich zum Ziele gesetzt „Verstecken“ als neue olympische Disziplin durchzusetzen.

Interessant. Kann man sich für einsetzen, muss man aber nicht. Schließlich gibt es so viele andere, tolle Sportarten, die es – meiner Meinung nach – viel mehr verdienen olympisch zu werden. Da wären zum Beispiel: Weiterlesen

Was Gesundes, bitte?

Der Aufenthalt in Deutschland kombiniert mit der Olympiade wird langsam zum Problem für die Gesundheit meiner Familie.

Irgendwie hat das tägliche, intensive Sportschauen im Fernsehen bei mir eine gewisse Trägheit ausgelöst. Diese führt dazu, dass ich den Einkauf im Supermarkt aufs Nötigste beschränke: Das Auffüllen der Ritter Sport Olympia-Vorräte für den nächsten Fernsehabend.

Dummerweise wollen meine Kinder aber neben Ritter Sport Olympia auch noch etwas anderes essen. Man stelle sich vor. Meine jüngere Tochter hat mich tatsächlich gestern nach „was Gesundem“ gefragt. Die Kinder von heute, also wirklich.

Ins Restaurant wollen die beiden auch nicht mehr gehen. „Immer nur Schnitzel,“ haben sie gemault, als ich ihnen auf die Frage nach dem „Gesundem“ vorschlug, wir könnten ja essen gehen. Also, ich konnte als Kind von Schnitzel und Pommes Frites nicht genug kriegen. Irgendetwas muss ich falsch gemacht haben bei meinen Kindern.

Obwohl ich ihnen ein ganz kleines bisschen zustimmen muss. Im Geheimen, natürlich. Aber auch mir ist aufgefallen, dass die Restaurants, Landgasthöfe und Wirtschaften im Sauerland vor allem ein Gericht auf der Karte haben: Schnitzel. Dies allerdings in einer Variationen-Vielfalt, die den teilnehmenden Olympia-Nationen Konkurrenz macht.

Jäger-Schnitzel, Zigeuner-Schnitzel, Schnitzel „Wiener Art“, Gourmet-Schnitzel, Schnitzel „Sauerland“, Schnitzel „Westfalen“, Feuer-Schnitzel, Holzfäller-Schnitzel – der Phantasie für Schnitzel-Gerichte im Sauerland sind keine Grenzen gesetzt.

Ich befürchte, wir haben in den vergangenen zwei Wochen mehr Schokolade und Fleisch gegessen als im gesamten vergangenen Jahr. Es sieht so aus, als müsste ich zum Äußersten schreiten und mal wieder selber kochen. Nur, wann? Ich habe keine Vorstellung wie ich auch noch Einkaufen und Kochen in meinem Olympia-Tag unterbringen soll.

Immerhin steht heute das 10 Kilometer Schwimmen der Frauen auf dem Programm. Und das Boxen im Fliegengewicht der Frauen. Das kann ich doch unmöglich verpassen. Von den Kanuten, der Dressur, dem Frauen-Ringen und dem Dreisprung der Männer will ich gar nicht erst anfangen. Ich habe doch frühestens in vier Jahren – bei der nächsten Olympiade – wieder Gelegenheit und vor allem Interesse mir diese Sportarten anzusehen.

Ich befürchte, meine Kinder müssen noch bis Samstag durchhalten. Erst dann bin ich wieder bereit, mich um unsere gesunde Ernährung zu bemühen. Und wer weiß, vielleicht sind sie bis dahin so ausgehungert nach „was Gesundem“ dass ich sie endlich mal dazu kriege, ein paar meiner Lieblingsgemüse zu probieren. Kohlrabi zu Beispiel. Oder Bohnen. Oder Erbsensuppe. Am Ende ist der Entzug der gesunden Ernährung sogar noch zu etwas gut.

Eine Frage der Socken?

Olympia geht in die zweite Woche, die Ritter Sport-Olympia-Vorräte nähern sich dem kritischen Punkt und ich verfluche die deutschen Ladenöffnungszeiten. Muss ich doch tatsächlich heute noch zur Tankstelle fahren, um den Olympia-Abend mit der passenden Schokolade zu verbringen.

Immerhin steht das 100 Meter-Finale der Herren auf dem Programm. Das wird sehr anstrengend für mich als engagierter Zuschauerin. Gar nicht auszudenken, wenn die Schiedsrichter wieder „Du-hast-keine-Medaille-OH-du-hast-doch-eine-Medaille“ mit einem deutschen Sportler spielen, so wie gestern mit der deutschen Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf. So viel Schokolade haben die im ganzen Sauerland nicht vorrätig.

Neben dem lustigen Wer-hat-eine-Medaille-Ratespiel gibt es noch jede Menge andere Fragen, die einer dringenden Beantwortung bedürfen. Ganz vorne das Rätsel der Socken. Warum tragen manche der Sportler diese hochattraktiven Kniestrümpfe? Und andere nicht? Ich hoffe sehr, dass das nicht Mode wird. Vor allem in Verbindung mit den hautengen Höschen und Muscle-Shirts, die die Leichtathleten uns da vorführen. Den Trend müsste ich dann mit Rücksicht auf meine Umwelt und meine persönliche Würde leider auslassen.

Bleibt die Frage, warum die hohen Socken? Wollen die keinen Sand in die Schuhe kriegen? Haben die alle eine Ritter-Sport-Olympia-Mini in den Socken stecken, falls ihnen auf halber Strecke die Kraft ausgeht? Haben die vergessen, sich zu rasieren und befürchten durch übermäßige Waden-Wolle wichtige Sekundenbruchteile zu verschenken? Steckt in den Socken die Dankesliste mit Omma, Oppa und allen Freunden drauf, falls sie gewinnen? Hat Mama vor dem Abflug noch gewarnt: „Pass auf Kind, dass du bei dem Regen in London keine kalten Füsse kriegst!“

Fragen über Fragen. Die nicht leichter zu klären werden durch die Tatsache, dass manche Sportler schwarze und andere weiße Socken tragen. Mit besseren Chancen auf den Sieg haben die Socken wohl nichts zu tun – ich habe noch keinen Sockenträger triumphieren sehen.

Eine Frage zumindest haben wir gestern Abend vor dem Fernseher geklärt – die rund 8 Meter, die die Weitspringer hüpfen, sind deutlich länger als das Wohnzimmer des Ferienhäuschens. Meine Hochachtung vor den Jungs – ob mit oder ohne Socken – ist seitdem deutlich gestiegen.

Gestärkt!

Mit viel Glück habe ich es gestern Nachmittag geschafft – ich bin im Besitz der letzten fünf Tafeln Ritter Sport Olympia, die im örtlichen Supermarkt erhältlich waren. Ich musste zwar sämtliche bei Olympia gesehenen Judo-Griffe anwenden, um eine andere Kundin zu Boden zu werfen, die im gleichen Moment ins Ritter Sport-Regal greifen wollte, aber was soll’s. Im Auto kam mir kurz der Gedanken, dass die Arme vielleicht eine ganz andere Ritter Sport-Schokolade wollte…Gott sei Dank wohne ich ja nicht immer hier.

Die erste Tafel ist mittlerweile verspeist und ich fühle mich gestärkt für den nächsten sportlichen Fernseh-Tag – sind ja jede Menge Traubenzucker und andere gesunde Sachen in der olympischen Schokolade. Und köstlich noch dazu! Jetzt muss die Franzi nur noch wieder so ein tolles T-Shirt anziehen und der Tag ist perfekt. Dank Franzi und der roten Nase auf ihrem T-Shirt sind die Suchanfragen für meinen Blog nämlich in unglaubliche Höhen geschossen…

Sagen Sie was dazu!

Ich bin süchtig – nach Olympia. Gut, ich bin auch süchtig nach Hanuta, Duplo und der Ritter Sport mit den drei Sorten Premium-Nüssen, aber nur weil es die in Dubai nicht gibt. Zusammengenommen macht das Sinn, Olympia gibt es ja auch nicht immer.

Irgendwie frage ich mich angesichts meiner gesammelten neuen Abhängigkeiten allerdings: Warum bin ich süchtig? Weder Duplo, Hanuta oder Ritter Sport sind wirklich außergewöhnlich gut oder erlesen und gleiches kann man auch über so einiges sagen, was man von den Olympischen Spielen zu sehen bzw. zu hören kriegt.

Das fängt an bei den Jacken der russischen Athleten – die haben ein so wirres Muster, dass man sofort Kopfschmerzen bekommt, wenn die ins Stadium laufen. Ich frage mich ja, warum noch keine der anderen Mannschaften Protest eingelegt hat, gegen diesen offenkundigen Versuch, die Gegner schon im Vorfeld des Kampfes zu schwächen.

Oder das Turnen der Frauen. Mehrkampf der Nationen. Würde man sich sonst nie ansehen, aber bei Olympia ist es dann doch irgendwie interessant. Wenn da nicht der Kommentator wäre, der die ganze Zeit was von „Verbindungszehnteln“ beim Stufenbarren erzählt. Und einem beim Schwebebalken mit viel Ernst in der Stimme erklärt, dass der Doppel-Twist gebückt, gehockt, gestreckt oder wie auch immer echt schwierig ist – natürlich ist er das, wer jemals auf einem Schwebebalken gestanden hat, der weiß, dass schon das Draufbleiben allein nicht wirklich einfach ist.

Schwimmen stand am gestrigen Dienstag auch noch auf dem Programm. Die ARD bescherte uns „uns“ Franziska van Almsick als Kommentatorin. Was sie gesagt hat, weiß ich nicht so genau, da ich die ganze Zeit auf ihre Backen starren musste, die aussahen wie die eines Hamsters, der dem Größenwahn verfallen war. Gut, da kann sie nichts für, für ihr T-Shirt schon. Darauf war das Bild einer französischen Bulldogge, die einen überdimensionalen roten Ping Pong-Ball als Nase zwischen Franzis Brüsten sitzen hatte – da war es sogar für mich als Frau nicht ganz leicht, mich noch aufs Schwimmen zu konzentrieren.

Rausreißen konnte es da auch der Beckenrand-Reporter nicht mehr, der den armen deutschen Schwimmer, kaum waren sie aus dem Wasser, sein Mikrofon unter die Nase hielt. Immer mit der viel Fachwissen vermittelnden Aufforderung: „Sagen Sie was dazu!“ Fragt sich nur, was die sagen sollen, wenn sie gerade doppelt so schnell geschwommen sind, wie die meisten von uns laufen können und trotzdem verloren haben.

Einiges wett machte immerhin Chad le Clos, der erstaunlicherweise kein französischer Rotwein sondern ein südafrikanischer Schwimmer ist, der die 200 Meter Schmetterling gewonnen hat. Chad und seine Eltern haben so hemmungslos geheult, dass sogar Michael Phelps warm ums Herz werden musste und der hatte wahrlich nichts zu lachen, dachte er doch, er hätte gewonnen. Ich bete, dass keins meiner Kinder jemals irgendein größeres Talent für irgendwas offenbart – ich würde wahrscheinlich schon bei jedem Aufbruch zum Training mit dem Heulen anfangen.

Keine Ahnung, ob die Eltern von Velimir Stepanovic geweint haben, aber dieser 19-Jährige Serbe wurde 6ter in dem Finale über 200 Meter Schmetterling. Das ist natürlich so unwichtig, dass es nicht mal hier beim Schwiegermutter-Wüsten-Blog einen Eintrag wert wäre, wenn der gute Junge nicht in Abu Dhabi geboren worden und in Dubai zur Schule gegangen wäre. Das musste ich mal schnell loswerden.

Aber zurück zu den Fernsehübertragungen. Denn da war dann noch das Interview mit den deutschen „vergoldeten“ Vielseitigkeitsreitern. Die wirkten echt nett, aber selbst mir als ganz großem Tierfreund und –versteher war es dann doch ein wenig viel, als Michael Jung sagte, sein Pferd Sam sei ein großer Sportler. Mmh. Und ich könnte schwören, dass der Sam einfach nur ein tolles Pferd, mit einem tollem Reiter ist. Und am Ende des Tages schlicht nur sein Heu will und eher wenig über Sport nachdenkt. Naja, ich will am Ende des Tages ja auch einfach nur meine Ritter Sport und bin jetzt einfach mal zufrieden, dass ich die bei Olympia essen kann und höre mit dem Meckern auf. Da fällt mir ein, gab es nicht mal eine Ritter Sport Olympia?

Frauenpower für Olympia!

Ich liebe Olympia! Seitdem ich denken kann, verfolge ich mit großer Begeisterung olympische Spiele im Fernsehen. Menschen,die ihr Bestes geben und ich dabei, eine Tüte Chips und eine Cola neben mir, was gibt es Besseres? Auch meine ältere Tochter habe ich schon angesteckt – obwohl die nicht mal von den Chips probieren durfte. Nachdem die Winterspiele in Vancouver vor zwei Jahren vorbei waren, hat sie noch mindestens eine Woche lang jeden Nachmittag gefragt, ob wir jetzt Olympia anmachen können.

Natürlich werde ich vor allem mit der deutschen Mannschaft mitfiebern, aber auch ein wenig mit der Mannschaft aus den Vereinigten Emiraten. Die Delegation vom Golf ist klein, aber fein. Nicht unbedingt wenn es um die Medaillen geht, aber in der Mannschaft werden auch zwei Frauen sein. Für einen arabischen Staat nicht schlecht. Insgesamt schicken die GCC-Staaten (Saudi-Arabien, VAE, Oman, Kuwait, Bahrain und Katar) wahrscheinlich 18 Athletinnen zu den Spielen.

Ein Zeichen, dass die Frauen der Region ein kleines Stück weiterkommen auf ihrem Weg zu mehr Gleichberechtigung. Vor 10 Jahren wäre eine Teilnahme einer Frau aus einem der GCC-Staaten an olympischen Spielen ausgeschlossen gewesen.

Die erste Frau, die für die VAE in 2008 an olympischen Spielen teilgenommen hat war übrigens eine Taekwondo-Kämpferin und ihres Zeichens eine Tochter von Scheich Mohammed. Dieses Jahr entsenden die Emirate eine Läuferin und eine Gewichtheberin.

Und auch in den anderen Golf-Staaten tut sich was. Saudi-Arabien, Katar und Brunei erlauben erstmals Sportlerinnen die Teilnahme an den Spielen. Besonders für Saudi-Arabien ein großer Schritt, der viel Fingerspitzengefühl von König Abdullah erfordert hat – und die Drohung des internationalen olympischen Komitees, Saudi-Arabien von den Spielen auszuschließen, sollte es Frauen nicht erlaubt werden teilzunehmen.

Genutzt hat es nicht viel. Wie eine saudische Zeitung nun berichtet, hat sich keine einzige Athletin auch nur für Qualifizierungswettbewerbe eingetragen. So kann man das Problem natürlich auch lösen. Damit wird das Königreich immerhin einen – äußerst fragwürdigen –Wettbewerb wohl gewinnen: es wird wahrscheinlich das einzige Land der ganzen Welt sein, dass mit einem Nur-Männer-Team in London vertreten sein wird.