Mr. Darcy fährt Achterbahn

Gestern im Freizeitpark. Ich verweile („einfach nur mal sitzen“) an einem Holztisch nahe der Achterbahn, auf der sich die Kinder seit Stunden mit steigender (!) Begeisterung durchschütteln lassen.

Eine Familie – Vater, Mutter, drei Töchter – lässt sich neben mir am Tisch nieder. Die Kinder rennen sofort wieder weg. Die Mutter ruft: „Jane, Lizzy, Mary!“

Ich sehe erstaunt auf. Hat die Frau zuviel „Stolz und Voruteil“ von Jane Austin gelesen? Ihre Töchter heißen genau wie drei der Töchter der Familie Bennet in dem Buch. Während ich noch darüber grübele, ob ein Sohn der Familie wohl „Fitzwilliam“ wie der berühmte Mr. Darcy im gleichen Roman heißen würde, brüllt die Mutter plötzlich weiter: „Jetzt macht hinne, eure Fritten werden arschkalt!“ Weiterlesen

Sommerlicher Schrecken

Im Sommerurlaub soll man sich entspannen. Tue ich auch – meistens. Getrübt wird meine Freude/Entspannung allerdings durch eine Erkenntnis, die mich während dieses Deutschland-Urlaubs immer wieder mit voller Wucht wie die dicke, hässliche Kugel einer Abrissbirne trifft: Ich werde nicht alt, ich BIN alt.

Falls noch jemand Hilfe bei der Findung seines wahren Alters braucht, hier die Top Fünf der Vorfälle, an denen man erkennt, dass es vorbei ist: Weiterlesen

Hilfe, ich werde alt!

Es ist offiziell: Ich werde alt. Der nackte Prinz Harry (der hat in Las Vegas die Sau rausgelassen und sich dabei nackt fotografieren lassen) und das Sauerland haben mir das bewusst gemacht. Ausgerechnet Prinz Harry und das Sauerland? Ja, genau, die beiden.

Als ich ungefähr im Alter von Prinz Harry war, bin ich mit Freunden für ein Party-Wochenende öfter mal ins Sauerland  ins Familienferienhäuschen gefahren. Ok, nicht gerade Las Vegas, aber ich bin ja auch nicht Mitglied einer königlichen Familie. Genau wie Prinz Harry in Las Vegas haben auch wir es im Sauerland krachen lassen (man bemerke die Verwandtschaft von Sau-erland und Sau-rauslassen). ABER NATÜRLICH NICHT NACKT! (Obwohl wir „Wahrheit oder Pflicht“ gespielt haben -und das kann genau so schlimm enden wie Strip-Billiard).

Gut, das ist mit dem Nackig-machen und Fotografieren-Lassen ist eine Sache, die mir zeigt, dass ich alt werde. Schon früher war ich nicht cool genug, so etwas zu machen, aber noch schlimmer (will heißen: noch älter) ist, dass ich das ganz schrecklich finde. Wie kann der Junge nur so etwas machen? Das ist ja alles so furchtbar. Damit dürfte ich ungefähr so reagieren wie die Queen auf die Eskapaden ihres Enkels. Und die ist steinalt, oder? Und das heißt was für mich…?

Der blanke Wahnsinn

Die Sonne hat das Sauerland – zumindest für heute – verlassen, meine Kinder sind Kika-süchtig (wenn ich noch einmal den Gesang „Kika, Kika, Kikaninchen“ höre, drehe ich durch) und ich habe einen ruhigen Morgen vor dem Computer genossen, wo ich mich durch so allerlei Internet-Nachrichtendienste gelesen habe. Leider musste ich dabei feststellen, dass die Welt, während ich gemütlich Olympia gesehen habe, offensichtlich dem Wahnsinn verfallen ist.

Allein bei den folgenden drei Meldungen bin ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr herausgekommen – und die waren nur der Anfang.

–       Ein verheirateter Mann in England hat eine Affäre. Gut, das kommt in den besten Familien vor. Die Frau ahnte nichts, bis sie Hochzeitsfotos ihres Ehegatten bei (!) Facebook entdeckte. Leider nicht ihre eigenen. Der Mann redete sich raus („alles Fake“) und die Frau glaubte ihm. Schön blöd. Ein paar Monate später kam ihr die Sache doch spanisch vor und sie stellte Nachforschungen an. Mit wenig schönen Resultaten: ihr Mann hatte seit sechs Jahren eine Affäre mit der anderen und diese tatsächlich vor einem Jahr geheiratet. Über die Photos bei Facebook komm ich ja schon nicht weg, aber was hat sich die zweite Ehefrau gedacht? Oder wusste die auch nicht, dass der Kerl schon verheiratet war?

–       Die Discount-Firma Groupon hat versucht, in den Vereinigten Emiraten ein besonders „sinnvolles“ T-Shirt unters Volk zu bringen und damit für öffentlichen Ärger gesorgt. Dabei war auf dem T-Shirt nichts als ein dicker, schwarzer Strich zu sehen. Der war allerdings so platziert, dass er aussehen sollte, wie ein Sicherheitsgurt, um bei Polizeikontrollen nicht schon von weitem aufzufallen. Zum Bericht mit Photo geht es hier.

–       In den Vereinigten Emiraten gibt es ein massives Problem mit Verkehrssündern – die Schwiegermutter berichtete bereits. Nun will die Verkehrsbehörde härter durchgreifen. Vor allem gegen Fahrer, die ihre Verkehrsstrafen nicht bezahlen. Wie zum Beispiel die 17 Fahrer, die Bußgelder in Höhe von 2,9 Millionen Dirhams (ca. 550 000 Euro) angehäuft haben. Ihre künftige Strafe? Sie dürfen das Land nicht mehr verlassen, bevor sie bezahlt haben. Blöd nur, wenn es sich um Emiratis handelt….

Ich glaub, ich klapp das Laptop jetzt zu. Genug Wahnsinn für einen Tag. Da seh ich sogar lieber mit den Kindern gemeinsam Kika. Vielleicht schaffe ich es auch, sie zu einem Waldspaziergang zu überreden. Das ist auch ein gewisser Wahnsinn, wenn ich an den letzten Spruch meiner Tochter zu diesem Thema denke: „Wieso? Mama! Das ist doch blöd! Im Wald gibt es doch kein Kika!!“

Was Gesundes, bitte?

Der Aufenthalt in Deutschland kombiniert mit der Olympiade wird langsam zum Problem für die Gesundheit meiner Familie.

Irgendwie hat das tägliche, intensive Sportschauen im Fernsehen bei mir eine gewisse Trägheit ausgelöst. Diese führt dazu, dass ich den Einkauf im Supermarkt aufs Nötigste beschränke: Das Auffüllen der Ritter Sport Olympia-Vorräte für den nächsten Fernsehabend.

Dummerweise wollen meine Kinder aber neben Ritter Sport Olympia auch noch etwas anderes essen. Man stelle sich vor. Meine jüngere Tochter hat mich tatsächlich gestern nach „was Gesundem“ gefragt. Die Kinder von heute, also wirklich.

Ins Restaurant wollen die beiden auch nicht mehr gehen. „Immer nur Schnitzel,“ haben sie gemault, als ich ihnen auf die Frage nach dem „Gesundem“ vorschlug, wir könnten ja essen gehen. Also, ich konnte als Kind von Schnitzel und Pommes Frites nicht genug kriegen. Irgendetwas muss ich falsch gemacht haben bei meinen Kindern.

Obwohl ich ihnen ein ganz kleines bisschen zustimmen muss. Im Geheimen, natürlich. Aber auch mir ist aufgefallen, dass die Restaurants, Landgasthöfe und Wirtschaften im Sauerland vor allem ein Gericht auf der Karte haben: Schnitzel. Dies allerdings in einer Variationen-Vielfalt, die den teilnehmenden Olympia-Nationen Konkurrenz macht.

Jäger-Schnitzel, Zigeuner-Schnitzel, Schnitzel „Wiener Art“, Gourmet-Schnitzel, Schnitzel „Sauerland“, Schnitzel „Westfalen“, Feuer-Schnitzel, Holzfäller-Schnitzel – der Phantasie für Schnitzel-Gerichte im Sauerland sind keine Grenzen gesetzt.

Ich befürchte, wir haben in den vergangenen zwei Wochen mehr Schokolade und Fleisch gegessen als im gesamten vergangenen Jahr. Es sieht so aus, als müsste ich zum Äußersten schreiten und mal wieder selber kochen. Nur, wann? Ich habe keine Vorstellung wie ich auch noch Einkaufen und Kochen in meinem Olympia-Tag unterbringen soll.

Immerhin steht heute das 10 Kilometer Schwimmen der Frauen auf dem Programm. Und das Boxen im Fliegengewicht der Frauen. Das kann ich doch unmöglich verpassen. Von den Kanuten, der Dressur, dem Frauen-Ringen und dem Dreisprung der Männer will ich gar nicht erst anfangen. Ich habe doch frühestens in vier Jahren – bei der nächsten Olympiade – wieder Gelegenheit und vor allem Interesse mir diese Sportarten anzusehen.

Ich befürchte, meine Kinder müssen noch bis Samstag durchhalten. Erst dann bin ich wieder bereit, mich um unsere gesunde Ernährung zu bemühen. Und wer weiß, vielleicht sind sie bis dahin so ausgehungert nach „was Gesundem“ dass ich sie endlich mal dazu kriege, ein paar meiner Lieblingsgemüse zu probieren. Kohlrabi zu Beispiel. Oder Bohnen. Oder Erbsensuppe. Am Ende ist der Entzug der gesunden Ernährung sogar noch zu etwas gut.