Kein Morgen ohne Sorgen

Der Morgen fing nicht gut an. Verschlafen, Kinder meckern, Stau auf dem Weg zur Schule. Die Laune müsste eigentlich im Keller sein. Ist sie aber nicht, dank der Gratiszeitung, die jeden Morgen vor meiner Haustür liegt. In dieser Zeitung steht allerlei Zeug über Dubai und was hier so passiert drin. Das kann man getrost überspringen und ich bin sicher jeder zweite Leser tut dies auch. Denn wirklich gut wird es erst kurz vor Schluss, wenn man die Leserbriefe erreicht hat.

Diese Leserbriefe sind so voller Emotionen, Schicksale und Unglaublichkeiten, dass man sofort seine eigenen Probleme vergisst. Weiterlesen

Und nochmal: YIPPIE, HURRA, KREISCH…

…nein, nicht das neue Buch, das ist natürlich auch „YIPPIE, HURRA, KREISCH„, diesmal geht es um die Fußball-WM. Meine beiden Töchter besitzen zwar die deutsche Staatsbürgerschaft, haben aber noch nie in ihrer „Heimat“ gelebt – und was sie als waschechte Prinzesschen auf der Erbse von Fußball, Jungs und schweißtreibendem Sport im allgemeinen halten, will ich lieber gar nicht schreiben. Die Spiele der Fußball-WM werden in Dubai außerdem meist erst um Mitternacht und im Pay-TV übertragen.

Und doch – im Hause Harenberg mitten in der Wüste ist das WM-Fieber ausgebrochen. Da wir um Mitternacht alle tief und fest schnarchen und ich als Öffentlich-Rechtlich-muss-das-übertragen-Deutsche und nicht mal im Traum dran gedacht hätte, für die Fußball-WM einen Pay-TV-Vertrag abzuschließen (wer konnte auch ahnen, dass die Deutschen die Brasilianer sooooo vom Platz fegen), sind wir auf das Internet angewiesen, um die Ergebnisse der WM-Spiele zu erfahren. Und das läuft dann für gewöhnlich so ab: Weiterlesen

Passiv-aggressiv

In Dubai gibt es den ein oder anderen aggressiven Autofahrer – Hupkonzert, Drängeln, Lichthupe, alles gerne genommen. Natürlich bin ich ganz anders. Sehe ich einen Drängler, verstecke ich mich sofort auf der ganz rechten Spur, ich fahre nie zu schnell und in fast 7 Jahren in Dubai habe ich noch nicht mal ein Ticket für falsches Parken bekommen. Eigentlich rechne ich täglich damit, dass Scheich Mohammed persönlich bei mir anklopft und mir eine Medaille umhängt.

Denn wie alle anderen, sieht auch er nur das Äußere meines Autos. Was im Innenraum passiert, ist eine andere Geschichte. Da werden die anderen –aggressiven – Autofahrer von mir aufs Übelste verflucht, beschimpft und verdammt. Aber immer nur gemurmelt, natürlich, ich würde ja nie schreien.

So auch gestern mal wieder, als ich mit den Kindern nach dem Schwimmen noch schnell beim Supermarkt in unserem Wohngebiet fuhr, um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Dies war schnell erledigt, das Verlassen des total überfüllten Parkplatzes dagegen gestaltete sich schwierig. Weiterlesen

Ufo im Supermarkt…

Mein fast täglicher Besuch im Supermarkt, um frisches Brot zu kaufen (das hält sich im Dubai-Klima höchstens 3 Stunden, dann wird es oll und fad), wurde gestern von einem schier unglaublichen Vorfall überschattet.

Ich gehe also, mein Brot bereits in der Hand, noch schnell in die Körperpflegeabteilung, um Seife zu kaufen, als plötzlich aus dem Nichts heraus, vor mir ein Paket aus dem Regal fliegt.

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Baby an Bord

Gleich mehrere Überraschungen erlebte ein Auto-Dieb in den Vereinigten Arabischen Emiraten am Wochenende. Zunächst musste er feststellen, dass er keinen gewöhnlichen Toyota sondern eine Art „Kinderwagen“ gestohlen hatte – auf dem Rücksitz schlief ein vier Wochen altes Baby.

Die verzweifelten Eltern riefen sofort die Polizei, die den Dieb nach sieben Stunden schließlich aufspürte – mit einer überraschenden Ermittlungsmethode. Die Polizisten „twitterten“ einen Aufruf nach dem gestohlenen weißen Prado mit Baby an Bord Ausschau zu halten. Was über 1700 besorgte „Twitterer“ auch mit Erfolg taten. Das Baby und das Auto wurden von einem Emirati gefunden, der den Dieb in Schach hielt bis die Polizei kam.

Es könnte die Frage aufkommen, wieso das Baby im Auto schlief und wo die Eltern waren. Ganz einfach, die beiden waren einkaufen. Im Supermarkt an der Tankstelle, den Motor ihres Autos hatten sie wegen der Hitze – in den Emiraten erreichen die Temperaturen im August bis zu 50 Grad – laufen lassen. Eine Angewohnheit, die sie mit vielen Bewohnern des Landes teilen und vor der die Polizei nun nochmals eindringlich warnte. Ich gebe diese Warnung jetzt mal nicht weiter, auch wenn es im Moment unglaublich heiß in Deutschland ist: Wir Deutschen hängen viel zu sehr an unseren Babies und Autos, um so etwas zu tun.

I love Dubai!

Ich werde oft gefragt, wie ich es in Dubai nur aushalten kann? Ich frage dann manchmal zurück, wie man es in Deutschland nur aushalten kann? Oder in England. Oder Amerika oder sonst wo?

Jeder Ort auf der Welt hat seine Vor- und seine Nachteile. Man muss nur für sich selber herausfinden, was überwiegt. Ich befürchte allerdings, dass ich nicht ganz unschuldig an den Dubai-Nachfragen bin. Meistens erzähle oder schreibe ich in meinem Blog über Dinge, die komisch, ausgefallen, unglaublich oder schrecklich und damit interessant sind. Wenn ich über alles, was ganz normal in Dubai ist schreiben würde, würde wahrscheinlich keiner mitlesen. Oder wenn ich die ganze Zeit schwärmen würde, wie toll mein Leben hier doch ist.

Da ich sehr gerne in Dubai lebe, hier mal ein Teil dessen, was mir spontan einfällt, warum ich diese Stadt und mein Leben hier liebe:

–  Jeden Morgen, wenn ich aufstehe lacht die Sonne am Himmel und die Vögel zwitschern.

–  Die Zeit von Ende Oktober bis Mitte Mai, wenn das Wetter herrlich ist. Um die 25 bis 30 Grad tagsüber, acht bis neun Grad morgens, die Freizeitaktivitäten im Freien sind unbegrenzt und werden nur sehr, sehr selten von Regen gestört

– Die Palme im Garten, die mittlerweile so groß ist, dass einer der Palmwedel direkt vor meinem Schlafzimmerfenster im ersten Stock hängt und die unzähligen Datteln, die sie jeden Sommer trägt – Den Duft der Frangipani-Bäume im Garten

– Die Bougainvillea, die ich vor acht Jahren von einer Freundin bekommen habe und die seitdem in ihrem Topf nonstop blüht

– Die Bananenpflanze vor unserem Haus, an der mehrere Stauden Bananen hängen und den Mango-Baum, den ich immer beim Hundespaziergang sehe, an dem zur Zeit unzählige reife Mangos hängen

– Die Sonnenuntergänge. Besonders wenn ich im Auto sitze und die Sonne wie ein dicker, roter Ball über der unglaublichen Skyline von Dubai untergeht.

– Oder die nächtliche Skyline von Dubai, wenn ich Abends ausgehe und vom Taxi-Fenster aus Millionen Lichter glitzern sehe

– Die absolute Stille in der Wüste, wenn ich mit dem Hund dort spazieren gehe und dass plötzlich hinter einer Düne eine ganze Kamelherde oder eine Antilope auftauchen

–  Wenn man eine Wüstentour macht und so mit dem Auto steckenbleibt, dass man denkt, man muss das Auto für immer da lassen und dann kommen ein paar Emiratis vorbei, die ohne zu zögern, das Auto befreien und dabei unglaublich nett sind

– Die Supermärkte, nicht weil sie so sauber sind, sondern weil ich Abends um halb Zehn noch meinen Wocheneinkauf machen kann. Und das sieben Tage die Woche.

– Wenn ich in der Abenddämmerung zu den Geschäften, die sich  in der Mitte der Wohnanlage befinden, fahre, die Mosche bereits hell erleuchtet ist und der Muezzin zum Gebet ruft, das ist ein echtes Stück 1000 und 1 Nacht

– Wenn ich im Auto an der Ampel stehe und im Wagen neben mir Sitz Scheich Mohammed vollkommen allein, ohne Bodyguards oder Begleitfahrzeug und lächelt freundlich, wenn er aufblickt. Der „Ruler of Dubai“ ist übrigens bekannt dafür, dass er öfter mal alleine in die Mall geht oder Metro fährt und mit den Menschen spricht. Einfach so, keine Reporter, Bodyguards oder ähnliches dabei.

– Dass ich mal in den Sommerferien vergessen habe, die Haustür abzuschließen und nichts geklaut wurde

– Dass die Maid unserer Nachbarn, obwohl sie alleinstehend ist, kaum Geld und vier Kinder in den Philippinen zu versorgen hat, für meine Tochter Frühlingsrollen mit Fleischfüllung gemacht hat, weil sie gehört hatte, dass die Kleine im Krankenhaus war

– Dass die Gärtner für meine Tochter ungefragt ein pinkes Blumenbeet in Herzform angelegt haben

– Wenn ich mit meinem Hund die kleine Runde durch den Park vor unserer Tür mache, die eigentlich nur 20 Minuten dauert, aber trotzdem eine geschlagene Stunde brauche, weil ich ständig jemand treffe, mit dem ich ein Schwätzchen halte.

– Die Tatsache, dass ich meine Kinder zu jeder Zeit überall hin mitnehmen kann, egal wie schlecht sie sich gerade benehmen und niemand sagt ein Wort. Im Gegenteil, wir werden angelächelt und wenn man in einer Behörde anstehen muss, ist es selbstverständlich, dass man vorgelassen wird, wenn man Kinder dabei hat. Das gilt überall, außer im deutschen Konsulat natürlich..;-)

– Dass ich an der Strandbar des Atlantis-Hotels (einem der teuersten Dubais) jeden Donnerstag Abend bei der Ladies Night drei Gläser Sekt umsonst trinken kann und wenn ich es wirklich darauf anlege, ohne einen Pfennig zu zahlen, nach Hause gehen kann

– Dass ich Gemüse und Produkte aus der Region für wenige Cents kaufen kann

– Den Blick auf das Burj Al Arab, das Jumeirah Beach Hotel, das Meer und in der Entfernung die große Moschee wenn ich nach Jumeirah reinfahre

– Dass ich ein Photo meiner Tochter vor dem höchsten Haus der Welt habe, als das noch ganze 20 Geschosse hoch war

– Dass man jeden Tag miterlebt, wie Dubai ein kleines Stück weiter wächst

– Dass in die Schule meiner Töchter 1250 Kinder gehen, die 85 verschiedene Nationalitäten haben und kein Mensch regt sich darüber auf. Und nein, nicht alle Kinder sprechen am ersten Tag des Schuljahres perfekt oder überhaupt Englisch – aber am letzten.

– Dass ich viele Freunde hier habe aus vielen verschiedenen Kulturen

– Das indische Essen, dass es hier überall in toller Qualität gibt

– Frischen Hommus mit arabischem Brot, den es an jeder Ecke gibt

– Dass nichts in Dubai unmöglich ist Ich könnte die Liste noch ewig fortsetzten, aber vielleicht mache ich lieber eine Reihe draus, bevor es doch noch langweilig wird.

Die Gammel-Könige

Die Hygiene in Supermärkten ist so eine Sache – so ganz sauber ist es wohl nirgends. In Deutschland hat mir schon mal eine dicke Supermarkt-Maus freundlich „Hallo“ auf ihrem Weg von einem Regal zum nächsten gesagt. Im Urlaub in Frankreich hat der nette Herr aus der Bäckerei sich noch schnell die Hand vor den Mund gehalten, als er Husten musste, dann gab er mir mein Baguette mit eben jeder Hand. Und hier in Dubai streckte mir neulich eine riesige Kakerlake den Kopf aus den Auberginen entgegen, wahrscheinlich wollte sie mal schauen, wer ihr da die Vitamine wegnimmt. So weit, international keine großen Unterschiede.

Doch jetzt haben es die Emirate geschafft, sich an die Spitze der Rangliste meiner persönlichen Ekligkeiten zu setzen. In Deutschland lässt man wenigstens nur das Fleisch vergammeln, hier wird sorgfältiger gearbeitet, da wird gleich mal das ganze Sortiment dem Gammel zugänglich gemacht. Die Konkurrenz ist groß, die Preise niedrig, die Kosten hoch, da muss man sehen wo man bleibt. Also sind einige Supermärkte und Restaurants dazu übergegangen, Nachts die Kühlschränke und Klimaanlagen ausschalten, um Geld zu sparen. Das wäre ja vielleicht noch OK, wenn man dies in Deutschland im tiefsten Winter machen würde, aber in den Emiraten im Hochsommer, wo die Temperatur auch Nachts nicht unter 30 Grad fällt? Da fragt man sich, ob die noch ganz sauber in ihren Oberstübchen sind.

Immerhin habe ich neben der Tatsache, dass ich mich ab jetzt vorwiegend von Dosenkost ernähren werde, noch etwas gelernt. Ich bin unglaublich naiv. Da hab ich doch neulich Morgens, als ich in der Tiefkühlabteilung nur angetaute Himbeeren finden konnte, tatsächlich gedacht: „Mensch, denen ist der Strom heute Nacht ausgefallen, jetzt müssen die das alles wegschmeißen, die Armen.“ So kann man sich irren.

Die Teetassen-Schleuder

In Dubai erreichen die Temperaturen bereits locker die 40 Grad-Marke und man kann getrost sagen, der Sommer ist da. Mit dem Sommer kommt in Dubai wie überall das Sommerloch in der Berichterstattung der Medien. Hier muss das Loch entsprechend der Temperaturen besonders tief sein, anders ist die Schlagzeile der heutigen Tageszeitung nicht zu erklären:

„Rätselraten in Kuwait um Wurf mit heißer Teetasse“.

Offenbar hat eine Frau in einem Restaurant in Kuwait einer Teilnehmerin einer britischen Wirtschaftsdelegation eine Tasse mit brühend heißem Tee an den Arm geworden. Das Opfer erlitt Verbrennungen zweiten Grades. Die Täterin flüchtete unerkannt. Aha. Und wo ist der Nachrichtenwert der Geschichte für mich hier in Dubai? Gibt es nicht. Außer natürlich, man denkt um ein paar Ecken. Das kann ich besonders gut. Prompt schoss mir der Gedanke durch den Kopf, wen ich wohl gerne mit einer Tasse kochenden Tee bewerfen würde. Wäre das nicht herrlich, wenn man sich für die kleinen Gemeinheiten im Alltag mit einem Teetassen-Wurf rächen könnte? Weiterlesen