Pubergrauen

Die Kinder werden größer. Die Probleme auch. Der Spruch meiner Großmutter: „Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen“ ist auf fast unheimliche Art Realität geworden. Dabei stehen wir noch ganz am Anfang. Die ältere Tochter sollte – auf dem Papier – die Pubertät noch nicht mal erreicht haben, benimmt sich aber als wäre sie auf dem Zenit des „Scheußlichseins“.

So zum Beispiel an einem – eigentlich – schönen Samstagmorgen: Wir wollten gemütlich frühstücken und am Nachmittag ins Kino. Und was fällt mir, der furchtbarsten aller Mütter, ein? Bringe ich den Kinder doch tatsächlich vom Hundespaziergang ihre Lieblingsbrötchen – weiß, zuckrig und randvoll mit Schokostücken – mit. Die jüngere Tochter isst ihrs bereits als die ältere mit versteinerter Miene an den Tisch schlurft. Weiterlesen

Advertisements

Aufstand gegen die Obrigkeit!

Die jüngere Tochter hat einen weiteren Meilenstein ihres jungen Lebens gemeistert: Sie kann lesen. Will heißen, sie kann die schöne, deutsche Sprache lesen. Englisch kann sie schon ein wenig länger, aber da sie erst seit diesem Jahr eine deutsche Schule besucht, hat sie das Lesen in ihrer Muttersprache erst kürzlich so richtig erlernt.

Und wie das so ist mit Kindern, liest sie jetzt, was ihr unter die Augen kommt. Weiterlesen

Wieder da!

Wie schnell doch so ein paar Monate vergehen. Gelegentlich bekam ich in den letzten Wochen eine Mail von einer Leserin oder einem Leser, ob es meinen Blog und mich noch gebe. Kurz musste ich jeweils überlegen, welcher Blog? Dann fiel es mir siedend heiß und schuldgefühlbeladen ein: Mein Blog, genau. Da wollte ich doch eigentlich all die Dinge aufschreiben, die mir in den vergangenen Monaten so passiert sind. Und es ist nicht wenig passiert. Mittlerweile habe ich einen Rückstau an Geschichten aus Dubai und Berlin im Kopf, dass ich keine Ahnung habe, wo ich anfangen soll. Wahrscheinlich habe ich den Blog aus genau diesem Grund eher verdrängt denn vergessen. Weiterlesen

Rationalisierungsmaßnahmen

Ältere Tochter aufgeregt: „Mama, ich werde später 4 Kinder haben. Zwei Jungen und zwei Mädchen.“

Ich: „Da hast du dir ja was vorgenommen.“

Ältere Tochter erstaunt: „Wieso?“

Ich: „Na, vier Kinder sind eine Menge Arbeit.“

Ältere Tochter überheblich: „Das wird kein Problem, ich mache das besser als du.“ Weiterlesen

Nobelpreis(verdächtig)

Gute Nachrichten für alle Wüstenleser – ihr kennt die Mutter einer künftigen Nobelpreisträgerin. Die ältere Tochter kann komplizierteste Sachverhalte in wenigen Worten für jeden Laien verständlich erklären. Und das geht so:

Tochter: „Mama, ich muss ein Rede über Erdwärme, Kraftwerke und Energie halten.“ Weiterlesen

Sie sind wieder da!

Sie sind wieder da. Dabei könnte alles so schön sein. Dubai hat den Sommer endlich hinter sich gelassen, die Temperaturen sind auf wunderbare 25 bis 30 Grad tagsüber und unter 20 Grad nachts gefallen. Die Balkontüren stehen nonstop offen, Frühstück, Mittagsessen und Abendbrot finden auf der Terrasse statt. Ein lauer Wind lässt die Blätter der Palme im Garten leicht rascheln, die Kinder spielen im Park vor der Haustür. Und dann geht es los. Kaum hat Muttern sich mit einem Glas Rotwein in den Gartenstuhl gesetzt, um den Sonnenuntergang live zu verfolgen, macht es: bsssssssssss. Weiterlesen

Yes, we can!

Die Schule der Kinder – was für ein leidiges Thema. Ist sie gut, ist sie nicht gut? Lernen die Kinder genug, zu wenig oder gar zu viel? In Dubai hat man die Qual der Wahl, was die Schule angeht, denn ausländische Kinder (also fast alle) können nur private Schulen besuchen und die kosten Geld.

Das Geschäft mit den Ausbildung brummt in Dubai. Immer mehr Schulen schießen wie Pilze aus dem Boden und die Eltern stehen vor einer schier unglaublichen Auswahl, wo ihre Sprößlinge die Lektionen fürs Leben lernen sollen. Die Art des Curriculums (Amerikanisch, Britisch, Deutsch, Australisch, Indisch – die Liste ist lang) allein ist für viele Eltern nicht mehr ausschlaggebend, wem sie die teilweise horrenden Schulgebühren überweisen.

Einer der größten privaten Schulträger der Region hat sich daher für das kommende Jahr etwas Besonders einfallen lassen: Weiterlesen

Überraschungsgast

Meine jüngere Tochter kommt in der Nacht gerne mal zu mir ins Bett. Was mich nicht weiter stört, allerdings werde ich in Zukunft etwas genauer hinsehen, wer sich da zu mir in die „Ritze“ legt. Oder besser gesagt, ich werde gründlich schnuppern, ob sie es auch wirklich ist.

Einen Überraschungsgast fand nämlich ein Ehepaar in Dubai in seiner Besucherspalte vor. Ein Dieb hatte sich in die Wohnung des Paares geschlichen und ein paar Wertgegenstände mitgehen lassen, als ihm ein Blick durch die Schlafzimmertür zum Verhängnis wurde. Der Einbrecher konnte dem Anblick der schlafenden Frau einfach nicht widerstehen und legte sich kurzentschlossen zwischen sie und ihren Mann ins Bett. Weiterlesen

Die Sache mit dem Lolli…

…war ja noch nicht ausgestanden. Zwei Tage nach meiner öffentlichen Beichte hatte mein Kind noch immer nichts bemerkt. Und ich war ein Wrack. Geplagt von einer Mischung aus Schuldgefühlen und Panik vor der Entdeckung wandelte ich wie ein Geist durchs Haus.

Im Kopf spielte ich immer wieder die möglichen Lösungen meines persönlichen Dramas durch:

–       Hund, Kater oder der kleinen Schwester die Schuld in die Schuhe schieben. Verführerischer Gedanke, aber bin ich wirklich eine sooooo schlechte Mutter?

–       So tun, als hätte ich keine Ahnung, wo der Lolli geblieben ist – gleichbedeutend mit Hund, Kater oder kleiner Schwester die Schuld in die Schuhe schieben.

–       Meine Koffer packen und das Land verlassen.

–       Den Kühlschrank heimlich ausstellen und dann alles, was sich darin befindet wegschmeißen, weil das „doch vermodert Kind, es ist Hochsommer und es sind 35 Grad in der Küche“.

–       Die Wahrheit sagen.

Selbstverständlich hat das Gute in mir gesiegt und ich habe das Land verlassen. Nein, ich habe natürlich die Wahrheit gesagt. Kurz und schmerzlos.

„Kind, ich habe deinen Lolli gegessen.“

„Welchen Lolli?!

„Ach, nichts, geh ruhig wieder spielen.“ Sollte es wirklich einmal im Leben so einfach sein?

„Etwa den goldenen Lolli, den ich zum Geburtstag bekommen habe?“

Nichts im Leben ist einfach.

„Ja, genau den.“

Mein Kind schaut mich mit großen, fassungslosen Augen an. Dann beginnt ihre Unterlippe leicht zu zittern. Ihre Augen werden feucht. Da ich mich als schlechte Mutter etabliert hat, schrecke ich ganz im Sinne von „ist der Ruf erst ruiniert…“ vor nichts zurück und greife zur beliebtesten Erziehungsmethode aller Rabenmütter: Bestechung.

„Ich kaufe dir dafür 2 neue Lollis, wenn wir jemals wieder zu dem Laden kommen. Und bis dahin darfst du die ganze Schokolade essen, die noch im Kühlschrank ist. Und ich mache diese Woche jeden Tag Pfannkuchen. Und morgen fahren wir in die Mall und ich kaufe dir was.“

Ich würde alles tun, damit das Kind nicht weint. Ein Wutanfall wäre so viel besser zu ertragen.

Derweil bebt die Unterlippe der Tochter immer noch. Auf der Richterskala würde sie in den zweistelligen Bereich vorstoßen. Und dann passiert es. Eine dicke Träne schafft den Sprung über den Lidrand und kullert langsam ihre Backe hinunter. Mein Herz blutet. Ich bin ein schlechter Mensch.

„Ich mache deine Hausaufgaben bis ich nicht mehr weiß, wie es geht“, ich werfe alles in die Waagschale, was mir geblieben ist und bete, dass mein Kind nicht ahnt, dass das bei dem Tempo in ihrer Schule wahrscheinlich nächstes Jahr sein wird, wenn sie in die dritte Klasse kommt.

Mein Kind sieht mich ernst an. Sie schluckt und reibt sich mit beiden Händen die Tränen aus den Augen.

„Ist ok, Mama. Jetzt wirst du total dick und ich bleibe dünn.“